Social Media Strategie: Warum ich lieber Angeln als Fisch verkaufe!


Die klassischen PR-Agenturen scheinen zunehmend Probleme zu bekommen. Wer zu lange an den klassischen PR-Methoden festgehalten hat, schaut jetzt sehnsüchtig in die Richtung derer, die schon früh auf Öffentlichkeitsarbeit im Social Web umgesattelt haben oder gar erst aus dieser Grundidee heraus gegründet wurden. Aber die klassische PR hat noch ein weiteres Problem: Sie sind Fischverkäufer und müssen sich auf dem Markt gegen die vielen anderen Marktschreier durchsetzen. Was würde eigentlich passieren, wenn man auf diesem Fischmarkt Angeln verkaufen würde?

„Frischer Fisch, hier gibt es frischen Fisch!“

Das Problem der Agenturen ist, dass sie für ein Unternehmen viele Aufgaben im Bereich der digitalen Kommunikation übernehmen können, dies auch wollen und auch machen. Das klingt jetzt gar nicht nach einem Problem? Doch, doch, das ist es – und zwar für beide Seiten. Ich spiele hier immer gerne mit dem Bild der Fische und Angeln. Die Agenturen bieten den Unternehmen ihre Dienstleistung/Fisch an. Schluckt ein großes Unternehmen diesen Köder, so kann es sein, dass die Agentur plötzlich sehr viel Fisch liefern soll. Natürlich soll der immer frisch und immer lecker sein. Die Agentur braucht dafür jede Menge Fischer und muss eventuell Personal aufstocken. Hier entsteht schon die erste Abhängigkeit, denn schmeckt dem Unternehmen der Fisch plötzlich nicht mehr, so verlässt das Unternehmen einfach die Agentur und schon hat die ein riesiges Problem. Während das Unternehmen sicher schnell eine neue Agentur findet, sieht es für die verlassene Agentur nicht so rosig aus. Der Absprung eines großen Kunden kann eine Agentur schnell vor Probleme stellen.

 

Aber auch die Unternehmen gehen eine Abhängigkeit ein, die nur in den seltensten Fällen auf festen Füßen steht. Nach dem die Agentur gewechselt war, wurde dem Unternehmen erst bewusst, dass die alte Agentur auch das ganze Wissen mitgenommen hat: Wo fängt man den Fisch, welchen Ködern braucht man und welche Rezepte machen ihn erst richtig lecker?! Gut, die neue Agentur hat auch schon für andere Unternehmen Fische geliefert und weiß schon was sie macht. Nur wird das Unternehmen dieses Wissen halt nie erlangen können, denn das ist das Betriebskapital der Agenturen, ihre Angeln und Netze und Fischkutter.

Ich bin kein großer Fischfan, im wahren Leben nicht und im übertragenem Sinne auch nicht. Dennoch möchte ich Unternehmen, Marken und Organisationen bei ihrer digitalen Kommunikation helfen. Wie das ohne Fisch gehen soll? Ganz einfach: Ich verleihe und verkaufe Angeln. Meine Arbeitsphilosophie sieht von Anfang an die Weitergabe von Wissen vor, mit dem die Unternehmen sich ihren Fisch selbst fangen können. Ich zeige ihnen welchen Köder sie brauchen, führe sie zu den für sie am besten geeigneten Gewässern und werfe gerne auch die erste Angel für sie aus. Niemand wird als Angler geboren, aber glücklicherweise kann man es lernen und lehren.
Für den Erfolg beim Angeln nach frischen Fischen braucht man einige Helferlein.
Für den Erfolg beim Angeln nach frischen Fischen braucht man einige Helferlein.

 

Lernt doch lieber das Angeln

Mir geht es um eine nachhaltige und authentische Unternehmenskommunikation. Da sollten externe Berater nur Impulse geben und dafür Sorge tragen, dass Mitarbeiter aus dem Unternehmen die notwendigen Skills aufbauen. Das hört sich leichter an als es ist, denn in einigen Unternehmen wird auch intern noch im 1.0-Stil kommuniziert, da ist der Schritt zur 2.0-Kommunikation nach außen sehr groß. Der einfachste und schnellste Weg ist da natürlich, die Social-Web-Kommunikation komplett an eine Agentur abzugeben, die auch Community Management anbietet. Etwas zeitaufwändiger, dafür aber zielgerichteter und zukunftssicherer ist da der Aufbau interner Kompetenzen, so dass die Kommunikation irgendwann auch von eigenen Mitarbeitern übernommen werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich auch der Einkauf entsprechender Kompetenzen in Form neuer Mitarbeiter, die das Handwerk verstehen und im neuen Unternehmen auch gleich umsetzen können. Die Schwierigkeit liegt hier dann eher darin eine geeignete Person zu finden und die entsprechenden Ressourcen bereitzustellen.

Ich selbst sehe mich eher als externer Impulsgeber, der mit seinem journalistisch geschultem Auge auf die digitale Kommunikation eines Unternehmens schaut und Tipps und Hinweise zum Feintuning gibt. Dabei versuche ich auch immer die Sicht der Empfänger einzunehmen, denn nach meiner Überzeugung sind die Erwartungen der Fans, Kunden, Leser, Konsumenten viel wichtiger als die Absicht der Sender, also der Unternehmen. Dieser Perspektivenwechsel gelingt vielen Unternehmen, Marken und Organisationen leider noch nicht gut genug.

 

Wie seht ihr das: (Ver-)Kauft ihr lieber Fisch oder wollt ihr das Angeln lernen (lehren)?

 

  • Bildnachweis für das Beitragsbild „Fische“: HamburgerJung / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA
  • Bildnachweis für das Beitragsbild „Angeln“: daspunkt / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA
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5 Antworten zu “Social Media Strategie: Warum ich lieber Angeln als Fisch verkaufe!”

  1. Grundsätzlich gebe ich Dir absolut recht. Aber oft, sehr oft kommt man an Grenzen auf Seiten der Unternehmen, zum Beispiel, wenn sich das Personal und die Strategie permanent ädern oder es sich um ein reines Produktbranding geht. Da kann die Agentur kontinuierlicher und besser arbeiten. Aber genau das ist die erste und wichtigste Aufgabe: Herauszufinden, wer es im konkreten Fall am Besten machen kann.

  2. Es gibt viele Szenarien, für die eine gute Agentur besser geeignet ist – als Einzelperson kann und will ich ja keine Agentur ersetzen 😉

    Es gibt aber eben auch viele Fälle, bei denen ich dann zu hören bekomme: „Keine Ahnung, das macht unsere Agentur“. Was genau die da machen und ob das auch alles gut ist, scheint manchmal für die Unternehmen gar nicht wirklich wichtig zu sein – solange das Ergebnis stimmt. Das ist mir halt zu kurz gedacht und kann auf lange Sicht auch nicht authentisch sein.

  3. Wahre stärke kommt erst dann wenn ein Unternehmen mit seiner Agentur Hand in Hand geht. Leider hast du recht, denn es gibt nur wenige Unternehmen bei denen es so ist.
    Kann ich nicht verstehen. Da geht so viel Potential verloren.

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